Dichtung und Bildende Kunst

Die Reihe »Dichtung und Bildende Kunst« im Rahmen der »Tübinger Phänomenologischen Bibliothek« will eine fruchtbare Nachbarschaft von Kunst und Philosophie fördern. In ihr sollen Buchwerke der Dichtung und der Bildenden Kunst erscheinen, die von ihrem Charakter her ein tragendes Gespräch mit dem philosophischen Denken, vor allem der Phänomenologie, eröffnen können.



Friedhelm Schneider
Bruchstücke

74 Seiten, kartoniert, ISBN 3-89308-426-6, € 14,00

»An der stelle eines Vorworts an einen Leser: Wenn in Griechenland zwei einen Vertrag schlossen oder in das geheiligte Verhältnis der Gastfreundschaft traten, brachen sie zum Zeichen und zum Pfand ihrer Verbindung eine Tonscheibe, einen Ring oder ein Tierknöchelchen entzwei. Jeder der Beiden erhielt eine Hälfte und konnte künftig dadurch, dass er sie vorwies und zur anderen Hälfte fügte, seine Rechte geltend machen. -Symbolon. Wir halten Scherben in den Händen und hoffen, dass es Bruchstücke sind, die ihr Gegenstück vielleicht noch finden werden. Und vielleicht gehört zu den Gedanken hier der Teil, den du dir denkst.«
Wir halten Scherben in den Händen und hoffen, dass es Bruchstücke sind, die ihr Gegenstück vielleicht noch finden werden. Und vielleicht gehört zu den Gedanken hier der Teil, den du dir denkst.


(Aphorismen auf der Buchrückseite)

Sprechen beginnt mit dem Versuch zu sagen, was man denkt, und endet in der Bemühung zu denken, was man sagt.

Was leuchtet, aber nicht wärmt, hat sein Licht nur geliehen.

Seufzer
Wie sagt man etwas so, dass es zu sprechen beginnt?

Der Tag sucht den Sinn und die Nacht den Zusammenhang. - Wir müssten am Tag träumen und in der Nacht die Augen öffnen können.

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Friedhelm Schneider
Bruchstücke 2

68 Seiten, kartoniert, ISBN 3-89308-427-4, € 14,00

An der Stelle eines Vorworts

Als die Buchstaben noch Buchenstäbchen waren und die Wörter noch aus den Wäldern kamen ...
Als das Lesen noch sammelte, was am Boden lag, weil es vom Himmel gefallen war und ihn verriet...
Als auch im Geschriebenen noch das Raunen zu hören war ...
Ich fürchte, auch damals fehlte der Hauptsatz und war von dem Publikum zu ergänzen.


(Aphorismen auf der Buchrückseite)

Märchenhaft
Im Witz verband sich einst das Lachen mit dem Mut und dem Verstand; und das Wünschen half noch, auch dem Denken. - Es war einmal...

Denken ist die Umkehrung der Schwerkraft.

Der Seufzer ist der Ton, in dem Leben und Sprechen aufeinander gestimmt sind.

Jeden Tag eine gute Tat... und einen bösen Gedanken...

Aphorismen -
kurz Gebratenes, innen noch blutig ...

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Friedhelm Schneider
Bruchstücke 3

72 Seiten, kartoniert, ISBN 3-89308-431-2, € 14,00

An der Stelle eines Vorworts

Vollziehungsstrich
Karl, Otto, Heinrich - die Kaiser konnten und wollten nicht schreiben, nicht einmal ihren Namen, nicht einmal zur Beurkundung ihres Willens. Sie setzten nur ein Häkchen in das vorgezeichnete Monogramm.
Den Text hatten Mönche geschrieben - Menschen ohne eigenen Namen, ohne Eigentum, ohne eigenen Anspruch, aber immer klerikaler Fälschungsabsichten verdächtig. Der Schreiber kann darum auch nicht das Vertrauen des Kaisers genossen haben. Der Leser muss es gewesen sein, dem er vertraute, der, der ihm den Wortlaut der Urkunde ein letztes Mal vortrug, bevor er sie mit imperialem Federstrich in Kraft setzte.
Prekär für den Leser, er führt die Hand des Kaisers, er trägt die Verantwortung. Der Schreiber jedenfalls ist der Last ledig. Er tritt zurück und ist vergnügt, dass nicht er das letzte Wort hat.


(Aphorismen auf der Buchrückseite)

Manche Bücher suchen ein Publikum, manche einen Leser... einen

Schönheit
Man muss die Dinge aus dem Zusammenhang reißen und zum Beispiel einen Rahmen oder einen Reim darum machen.
Die Dinge danken es: Sie beginnen zu scheinen. Froschkönig
Nicht der Kuss verwandelt den Frosch, sondern der Wurf an die Wand.

Muße
Man denkt nur, wenn man nichts zu tun hat.

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Friedhelm Schneider
Bruchstücke 4

72 Seiten, kartoniert, ISBN 3-89308-434-7, € 14,00

An der Stelle eines Vorworts

Woher kommen die Wörter?
Sie sind etwas von dem, von dem sie sprechen, und von dort kommen sie auch her:
»Sonne« - ein wenig Licht, »Wasser« - ein Tropfen im Meer, »Einsamkeit« - ein kleiner Schritt in die Ferne. - Mit den Dingen kommen die Wörter.
Und wohin gehen sie?
... ein Hauch, ein Wink, ... Sie gehen zu dem, dem sie fehlen.


(Aphorismen auf der Buchrückseite)

Simsalabim
Zauberworte sind selten sinnvoll. Das machte die Sache zu einfach und jeder könnte kommen.
Sinn wird verlangt für die Verbreitung einer Nachricht, aber er eignet sich nicht als Schlüssel, der das Geheimnis aufschließt und verschließt.

Wer mit dem, was er liest, nichts anzufangen weiß, sehe doch einmal zu, was das Gelesene mit ihm anfängt!

Liebenswert
Es gibt Bücher voller Widersprüche. - Das macht sie lebenswert.
Es gibt Menschen voller Widersprüche. - Das macht sie lesenswert.

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Friedhelm Schneider
Bruchstücke 5

66 Seiten, kartoniert, ISBN 3-89308-437-1, € 14,00

An der Stelle eines Vorworts

Hermeneutik unter vier Augen
Das Buch liegt offen da und darin lesen ist Leben unter Einschluss der Verfügungsmacht darüber: Freiheit ohne Schranken. Für das, was einer liest, trägt darum aber er allein auch die Verantwortung.
Der dagegen, der es schrieb, der ist nicht frei. Das Buch, verschlossen liegt es da, und er hat es nicht lesen können. Er sitzt davor, er ist darin befangen und wartet, bis ein Leser ihn befreit.


(Aphorismen auf der Buchrückseite)

Reflexion
Gedanken fallen ein und leben parasitär. Wir sind die Wirte und müssen uns mit dem Gedanken abfinden.

Aphorismen
Radikalität, aber im Format eines Radieschens ...

Dem Wahren, Guten, Schönen
Das Wahre erscheint nur im Irrtum, das Gute nur im Bösen. Anders das Schöne: Das Schöne scheint selbst und allein und allem.

Der Zweck, die Mittel und das Heilige Der Zweck heiligt die Mittel - oder gerade nicht? Das Heilige hat gar keinen Zweck und mittellos ist es auch.

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Friedhelm Schneider
Bruchstücke 6

62 Seiten, kartoniert, ISBN 3-89308-441-8, € 14,00

An der Stelle eines Vorworts

An den Leser Stichomythie
Mit wem sprichst du, wenn du mit dir selber sprichst, und wer hört dir zu? - Gewiss bin ich nicht der, dem ich und mir und mich, dem alles dies dasselbe ist und einerlei: Was hätte ich mir sonst zu sagen, das ich nicht schon wüsste? - Und wie redest du dich an dabei? Sagst du ich oder du oder beides zu dir, zu mir, zu wem? - Wir sind geteilte Wesen, wir teilen uns mit allen; wenn wir sprechen, sind wir mindestens zu zweit und wir denken nur selbander, wie es früher hieß.


(Aphorismen auf der Buchrückseite)

Stirnrunzeln und Schulterzucken die zartesten Zeichen des Verstehens

Parzival
Folge nicht schon dem ersten Gedanken - den haben andere für dich gemacht aber auch nicht erst dem dritten oder einem späteren - die hast du selber dir zurecht gelegt. - Folge dem zweiten Gedanken! Nimm diesmal keine Rücksicht und denke unvorsichtig!

Evidenz
Es gibt nur falsche Gedanken und schöne.

Stringenz
Ein Gedanke will nicht auf den Grund, er bleibt lieber in der Schwebe.

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Maria Heyer-Loos
Berg Stücke

53 Seiten, kartoniert, ISBN 3-89308-443-6, € 16,80

Im Kunstband der bekannten Tübinger Künstlerin Maria Heyer-Loos verbindet sich bildende Kunst mit japanischen Haiku zu einem stimmigen Gesamtwerk. In einer Mischform aus Collage und Zeichnung hat die Künstlerin einen Zyklus gestaltet, der an Berg- und Wüstenlandschaften erinnert, ohne diese nur zu illustrieren. Ausgewählte Haiku-Dichtungen vertiefen die AuseinanderSetzung mit den 19 teilweise doppelseitigen Kunst-Reproduktionen.
Inspiriert haben die Künstlerin, die seit 1970 in Tübingen lebt und arbeitet und weltweit mit Ausstellungen präsent ist, u.a. ihre Auslandsaufenthalte in Japan und den Vereinigten Staaten. Hierbei ist die Beschäftigung mit landschaftlichen Themen im Spannungsfeld zwischen östlicher und westlicher Kultur stets ein Schwerpunkt ihrer Arbeit.
"Das gemeinsame Betrachten und Lesen von Collagen und Haiku erzeugt etwas, das nur eben in diesem Mit- und Nebeneinander entstehen kann... Ihre Verbindung schafft etwas Neues, ohne dass die einzelnen Werke ihre Eigenständigkeit und innere Geschlossenheit dafür aufgeben." (Aus dem Begleittext von Kristin Funcke)

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Alina Noveanu
Weiße Briefe

Gedichte mit Zeichnungen von Martin Maria Strohmayer, 65 Seiten, kartoniert, ISBN 3-89308-446-0, € 18,00

weiße briefe

es schmerzt
das schwarz
auf weiß
auch das klein
gedruckte
immer wieder
gleiche worte
aufgeben und
verlassen
lässt du dich auch
auf nichts mehr ein
falsch


Alina Noveanu

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Friedhelm Schneider
Bruchstücke 7

51 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-96235-010-9, € 14,00

An den Leser

Frage nicht, was der Verfasser sagen wollte! Frage, was du zu hören wagen willst!



(Aphorismen auf der Buchrückseite)

Demokratie
Das bedeutet Schutz für jede Minderheit... und übrigens auch den Schutz vor ihr.

Unwort
Der Lebensqualität fehlt leider in der Regel eben dies ... die Qualität des Lebens.

Adresse
Nicht in dem, was wir verstehen, in dem, was wir nicht verstehen, steckt die uns bestimmte Nachricht.

Immer nach Hause
Das Denken ist schon einmal dort gewesen, wohin es erst noch will. - »Wo gehen wir denn hin?«, so lässt Novalis fragen, die Antwort ist dieselbe, die schon Platon gab und auch Aristoteles.

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Martin Maria Strohmayer
Weiche Zeichen
Worte von Dietmar Koch

31 Seiten, 30 Abbildungen, kartoniert, ISBN 978-3-96235-001-7, € 24,00

Das Bildnerische zeigt eine Serie mit dem Titel »Weiche Zeichen«. Sie Umfasst einunddreißig Werke. Dreißig Werke sind hier im Spiel, ein Werk sitzt auf der Ersatzbank.

Die Bilder brauchen die Worte nicht, die Worte die Bilder nicht - trotzdem oder deshalb können sie sich finden.

Von daher: Die Worte sind keine Titel zu den Bildern, sie verstehen sich als freie, philosophische »Re-sonanzen«.

Sie selbst sind jedoch zugleich - analog den Bildern - in sich verwoben.

Weitgehend verdanken sie sich Einsichten Heraklits, der Dichtung Friedrich Hölderlins und dem phänomenologisch-hermeneutischen Ereignis-Denken Martin Heideggers.

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